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Das Archiv der ÖEG in der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB)

Das Archiv der ÖEG wird in der Spezialsammlung „Bildarchiv und Grafiksammlung“ der ÖNB verwahrt und kann zu den Öffnungszeiten der Sammlung benützt werden.

Zugang und Öffnungszeiten: Öffnungszeiten Bildarchiv und Grafiksammlung

Bücher, Ausstellungskataloge und Grafiken der „Sammlung Cossmann der Österreichischen Exlibris-Gesellschaft“ können Sie im Online-Katalog der ÖNB recherchieren (Suche über „Alle Bestände“) und bestellen: https://www.onb.ac.at/

Information über das Vereinsarchiv finden Sie hier: http://data.onb.ac.at/rec/AL00651843

Zur Geschichte der Österreichischen Exlibris-Gesellschaft (ÖEG)

von Heinrich R. Scheffer

bild1Die Österreichische Exlibris-Gesellschaft blickt auf eine lange, abwechslungsreiche und interessante Geschichte zurück.

Es begann schon vor 1903 als in Wien eine "Tischgesellschaft" ins Leben gerufen worden ist, eine "freie, durch keinerlei vereinsgesetzliche Vorschriften gebundene Gesellschaft", wobei sich einige hochgestellte Persönlichkeiten lose zum Thema Exlibris treffen wollten.
Dies waren wichtige Exlibris Sammler der ersten Stunde, die schon bedeutende Sammlungen zusammengetragen haben, da das Bewußtsein wuchs, im Exlibris einen Kulturträger und eine Kunstgattung identifiziert zu haben, die mit dem Buche auf das engste verbunden ist, ja noch mehr, den Besitzer des Buches durch eine künstlerische Gestaltung des Bucheignerzeichens hervorhebt und dadurch dieses einzelne Buch zu einem Unikat macht.

Die Idee fand einen so großen Widerhall, so daß die Proponenten der Tischgesellschaft, darunter Moritz von Weittenhiller, Rudolf Höfken Ritter von Hattingsheim und von der Künstlerschaft der k.k. Hof-Wappenmaler Ernst Krahl, die Initiative ergriffen und Anfang 1903 die "Österreichische Exlibris-Gesellschaft" gründeten. Es war das Bestreben sich "in erster Linie der Erforschung und Hebung der heimatlichen Ex libris-Schätze [zu] widmen und sich [zu] bemühen, den österreichisch-heimatlichen Boden der Exlibris-Bewegung zu erschließen".

Heute ist von der blumigen "Hebung der heimatlichen Exlibris-Schätze" keine Rede mehr und es heißt in den Satzungen 2002 eher nüchtern, aber dem Ziel der Gesellschaft als wissenschaftliche Institution entsprechend: "... die Förderung der Exlibriskunst und der ihr verwandten Zweige der Kleingraphik in Österreich und im Ausland [...] und die Erforschung der Geschichte der Kleingraphik - insbesondere des Exlibris - und die Förderung ihrer Verbreitung in der Gegenwart".

Die erste "Publikation" ist zu Weihnachten 1903 erschienen und seit dieser Zeit fast ohne Unterbrechung als "JAHRBÜCHER" bis heute bekannt und geschätzt. Der erste Weltkrieg hat die Vereinstätigkeit kaum beeinflußt, mehr schon die Zeit der Weltwirtschaftskrise mit ihrer Hyperinflation. Doch durch weitsichtige Führung der Gesellschaft ist auch diese schwierige Zeit gut überwunden worden.
Zur besseren Information der steigenden Zahl der Mitglieder im In- und Ausland sind 1937 die "Mitteilungen" eingeführt worden, die 2-3 mal pro Jahr auch heute erscheinen.

Erich Heermann - Radierung, 1910, für den ersten Präsidenten der Österreichischen Exlibris-GesellschaftDie politischen Veränderungen des Jahres 1938 sind auch an der Österreichischen Exlibris-Gesellschaft nicht spurlos vorübergegangen. Die neuen Machthaber stießen sich vor allem an dem Namen der Gesellschaft und änderten ihn kurzerhand in "Wiener Exlibris-Gesellschaft". Die Jahre des Krieges haben die Gesellschaft, so wie jede andere Art kultureller Arbeit gelähmt. Jedoch gleich nach dem Zusammenbruch taten sich die alten Getreuen zusammen, um die Weiterführung der Österreichischen Exlibris-Gesellschaft zu erwirken. Dies gelang, und mit Elan, Initiative und Ideen ist die Gesellschaft in eine neue Ära geführt worden.

Die Jahrbücher, die Mitteilungen (Neue Folge) wurden wieder aufgenommen, Vortragsreihen veranstaltet, Sonder-veröffentlichungen publiziert, die Gesellschaft öffnete sich auch international und die Mitgliederzahl erreichte 1951 eine Rekordmarke von 400.

Die Sammler-Gemeinde ist ja nur ein Teil der Gesellschaft; die Künstler sind der unverzichtbare andere, ergänzende Teil, der von Anfang an sehr prominente Vertreter aufzuweisen hatte. Es ist kein Zufall, daß in der I. Publikation 1903 der damals junge Alfred Cossmann vorgestellt wurde, der in der Folge eine ganze Generation von Graphikern ausbildete und nach sich zog, die alle zu der legendären "Cossmann Schule" des Kupferstichs gehörten oder Cossmann und Hans Ranzoni d.J. zum Vorbild hatten, zu deren Schlußpunkt man heute noch den bekannten Markenstecher Werner Pfeiler zählen darf.

Auch auf dem Gebiet der Xylographie hat das österreichische Exlibris mit den "Linzern" Max Kislinger, Franz Lehner und Toni Hofer einen Höhepunkt erreicht. Und man kann sagen, daß auch heute viele bekannte, wie z.B. Arnulf Rainer, Hermann Härtel, oder weniger bekannten Künstler sich dem Exlibris widmen.

Wir können nicht leugnen, dass sich heute in unserem sozialen Umfeld grundlegende und einschneidende Veränderungen ergeben haben, die alle Lebensbereiche erfaßten, so auch unsere Freizeit und wie wir sie gestalten. Das Buch, und damit auch die Bedeutung das Exlibris hat sich unter den Verschiebungen vom Bildungsbürgertum zur digitalen Gesellschaft verändert. Es ist heute weniger ein Bucheignerhinweis im Buche als ein individualisiertes Sammelobjekt enthusiastischer Kleingraphiksammler in deren Exlibris-Sammlungen. Die Erarbeitung dieser individuellen, personalisierten Kleingraphik in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler ist eines der reizvollen Aspekte der Beschäftigung mit dem Exlibris.

hist-04Heute zählt die ÖEG an die 150 Mitglieder.
In regelmäßigen Treffen werden Vorträge gehalten, Tauschveranstaltungen organisiert und in engem Kontakt mit Künstlern neue Blätter in Auftrag gegeben. Auf diese Weise beteiligen sich die Mitglieder aktiv am Kunstgeschehen und fördern Künstler. Die ÖEG informiert ihre Mitglieder in regelmäßig erscheinenden MITTEILUNGEN über die Welt des Exlibris und publiziert das periodische JAHRBUCH mit kulturhistorischen Beiträgen zum Bucheignerzeichen, zur Gebrauchsgraphik und der Kleingraphik im allgemeinen.

Das Archiv der ÖEG wird in der Österreichischen Nationalbibliothek verwahrt.

Die Mitglieder pflegen auch enge Kontakte zum Ausland, da ja die Exlibris-Idee weltumspannend ist. 37 nationale Gesellschaften sind in der Dachorganisation FISAE (Federation International des Societes d’Amateurs d’Exlibris) zusammengefaßt.

Begonnen hat die Internationalisierung in Österreich, als 1953 die ÖEG den I. FISAE-Kongreß organisierte. Seit diesen Anfängen gab es Kongresse nicht nur in vielen Ländern Europas, sondern auch in Japan, Amerika und China und 2004 hatte Österreich zum vierten Mal die Ehre den XXX. Kongreß in Wels zu veranstalten.

Die ÖEG bleibt dem Exlibris, der Gebrauchs- und Kleingraphik verpflichtet und setzt die Exlibris-Tradition in Österreich fort.

Als Literaturhinweis wird empfohlen:

Stock, Karl F.: Österreichische Exlibris-Bibliographie 1881 - 2003
Verlag K. G. Saur, München 2004. ISBN 3-598-11687-X

Heinrich R. Scheffer: 100 Jahre Österreichisches Exlibris
Österr. Kunst- und Kulturverlag / Österr. Exlibris-Gesellschaft, Wien, 2004; ISBN 3-85437-261-2